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Sonntag, Juni 23, 2024
StartBildungNeue WH-Professorin will als „Exot" Vorbild sein

Neue WH-Professorin will als „Exot“ Vorbild sein

Bocholt. Die Westfälische Hochschule (WH) begrüßt ein neues und doch bekanntes Gesicht: Zum 1. März wurde Prof. Dr. Marina Arendt für das Lehrgebiet Data Science an den Standort Bocholt berufen. Was der neue weibliche „Prof“ lehrt, ist Stoff mit großem Zukunftspotenzial. Mathe, Datensätze wie auch künstliche Intelligenz spielen eine Rolle.

Die Bio-Informatikerin begann ihre akademische Laufbahn an der Westfälischen Hochschule und kehrt nach verschiedenen beruflichen Stationen nun für die Lehre auf dem Gebiet der Data Science zurück.

Kein Kausalzusammenhang?!

Data Science – was zunächst sehr abstrakt klingt, ist ein Feld mit großem Zukunftspotenzial. Das bestätigt auch die neu berufene Professorin des Fachbereichs Wirtschaft und Informationstechnik mit einem Augenzwinkern: „Die Storchenpopulation kann zunehmen, wenn auch die Babypopulation zunimmt. Aber das wird sicher kein Kausalzusammenhang sein. Das ist ein sehr vereinfachtes, plakatives Beispiel für Assoziation und Kausalität, die die Grundlage von Data Science bilden.“

Handlungsempfehlungen ableiten

Auf dem Gebiet der Datenanalyse geht es darum, durch mathematische und statistische Methoden Auswertungen aus großen Datenmengen zu erstellen, zuvor unbekannte Zusammenhänge in Datensätzen zu erkennen und daraus Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Darauf bauen künstliche Intelligenzen und das maschinenbasierte Lernen auf.

Lebensqualität bei Kleinkindern

Solche Vorhersagen können beispielsweise in der Medizin eine wertvolle Entscheidungshilfe bilden. Während ihrer Promotion am Universitätsklinikum Essen beschäftigte sich Marina Arendt unter anderem mit der Entwicklung der Lebensqualität und Überlebenswahrscheinlichkeit bei Kleinkindern mit einem spezifischen Augentumor, dem Retinoblastom. Die ausgewerteten Daten gaben Hinweise darauf, welche Behandlungsmethode bis ins Erwachsenenalter die beste Prognose bietet.

Blick auf Sepsis-Patienten

In einem Projekt mit dem Knappschaftskrankenhaus Bochum analysierte sie die Überlebenswahrscheinlichkeit von Sepsis-Patienten auf der Intensivstation für die nächsten 30 Tage anhand einer Vielzahl messbarer Parameter. „Man sieht also, dass man aus sehr theoretischen Daten wichtige Erkenntnisse für die Praxis erarbeiten kann“, berichtet Marina Arendt.

Die Stationen der Gladbeckerin

Die gebürtige Gladbeckerin studierte am Standort Recklinghausen der WH zunächst Molekularbiologie und schloss dann ein Masterstudium in Bio-Informatik an. Nach ihrem Abschluss gab sie ihr Wissen als Tutorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin weiter. Es folgten die Promotion sowie weitere berufliche Stationen in der Wirtschaft und an der FH Dortmund.

Bocholt von Maschinenbau geprägt

„Das praxisnahe Vermitteln von Wissen finde ich sehr spannend. Daher lag mein Fokus eher auf einer Professur an einer Fachhochschule als im universitären Umfeld. Ich freue mich sehr auf meine Tätigkeit in Bocholt. Der Standort ist durch den Maschinenbau geprägt – da bin ich mit meinem medizinischen Hintergrund etwas exotisch, aber das kann ja auch bereichern.“

Die Studierenden dürfen praxisnahe Lehreinheiten erwarten, wie Prof. Arendt erklärt: „Ich möchte sie darin trainieren, ihre Lösungswege selbst zu finden und viel auszuprobieren. In meinen Arbeitsgruppen gibt es eigentlich nie sofort die Musterlösung, sondern erstmal den Hinweis, miteinander zu sprechen. Dann gibt es einzelne Hilfestellungen, über die man dann zum Ziel kommt.“

Auch als Mutter Lust aufs Studium machen

Die 33-jährige hat noch ein besonderes Anliegen, dass sie studieninteressierten Mädchen und Frauen vermitteln möchte: „Ich freue mich sehr über die Professur, aber ich freue mich auch darüber, jetzt schon Mutter zu sein. Eine wissenschaftliche Karriere zu verfolgen und trotzdem eine Familie zu gründen, hat sich für mich nie ausgeschlossen. In den Köpfen vieler Schulabgängerinnen und Studienstarterinnen steckt die Vorstellung fest, dass sie ein naturwissenschaftliches Studium nicht schaffen oder sich eine wissenschaftliche Laufbahn und Familie nicht miteinander vereinbaren lassen. Hier möchte ich als Vorbild dafür dienen, dass das sehr wohl möglich ist. Es braucht mehr Frauen an Hochschulen und Universitäten.“

Gabi Frentzen
Gabi Frentzen
Gabi Frentzen alias Bocholter Reporterin