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Dienstag, Mai 21, 2024
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Stumme Zeugen zum Sprechen bringen

Bocholt. In insgesamt 16 Beiträgen zeigen LWL-Wissenschaftler unter dem Titel „Show & Tell“ jetzt ihre liebsten archäologischen Fundstücke. Darunter ist auch die Geschichte von einem Kinderschuh aus Bocholt.

Susanne Bretzel-Scheel, Restauratorin in der Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), berichtet von ihrer Rekonstruktion eines ledernen Kinderschuhs aus dem 14. oder 15. Jahrhundert, Referent Michael Lagers stellt Vermutungen an, warum eine Amphore aus der späten Bronzezeit 100 Jahre später als Urne verwendet wurde, und Volontär Matthias Bensch erklärt, was der Deckel eines römischen Gefäßes über den Gesundheitszustand von römischen Truppen verrät. In insgesamt 16 Beiträgen, die auch als Kurzfilme auf YouTube erschienen sind, zeigen LWL-Wissenschaftler unter dem Titel „Show & Tell“ ihre liebsten archäologischen Fundstücke.

Stumme Zeugen mit eigener Geschichte

„Wir wollten die Funde als stumme Zeugen der Vergangenheit zum Sprechen bringen, denn jeder archäologische Fund ist etwas ganz Besonders und hat seine eigene Geschichte“, so Dr. Vera Brieske, Geschäftsführerin der LWL-Altertumskommission für Westfalen über die Reihe.

„Archäologische Zeitmaschine“

Entstanden ist die Serie 2022 im Rahmen des Begleitprogramms „Archäologische Zeitmaschine“, bei dem Besucher mittels Spezialbrillen Kurzfilme in „Virtual Reality“-Qualität zu drei archäologischen Fundstätten in Westfalen-Lippe erleben. Neben den Fundstätten können Wissenschaftler:innen in dem neuen Begleitformat nun auch „ihre“ Fundstücke präsentieren und einen tieferen Einblick in die archäologische Arbeit geben.

Kinderschuh aus Bocholt

In der 13. Folge stellt Susanne Bretzel-Scheel, Restauratorin bei der LWL-Archäologie, einen ledernen Kinderschuh aus dem 14. oder 15. Jahrhundert vor. Der Fund wurde 2019 bei Grabungen in Bocholt-Mussum (Kreis Borken) entdeckt und kam als Block in die Werkstatt von Bretzel-Scheel.

Eingefroren und gefriergetrocknet

Vorsichtig legte sie ihn mit einem Pinsel frei. Heraus kam ein Schuh aus einem ungefähr einen Millimeter starkem Rindleder. Zur Konservierung werden Lederstücke für 48 Stunden in Polyethylengylcol getränkt und im Anschluss eingefroren sowie gefriergetrocknet.

Warum Wendeschuh?

Heraus kommt dann ein flexibles Leder. Aufgrund der guten Beschaffenheit des Leders konnte die LWL-Restauratorin den Schuh wieder rekonstruieren. Dafür fertigte sie ein Schnittmuster an und studierte die Nähte. Dieser Schuh sei auf einem Holzleisten angefertigt worden, und zwar auf der linken Seite und dann wurde alles genäht, festgenäht, und im Nachhinein dann wieder gewendet. Deswegen hieße der Schuh auch Wendeschuh. „Der Schuh ist so besonders, weil zum einen sehr viele Fragmente noch vorhanden sind und es sich bei ihm zum anderen um einen Kinderschuh handelt, und davon haben wir nicht so viele“, ordnet Bretzel-Scheel den Fund ein.|Video zu finden unter: https://www.youtube.com/@altertumskommissionfurwest2383/videos