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Donnerstag, April 18, 2024
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In love with Lisbeth: Trucker- Interview auf dem „Thron“

Bocholt. Der Mangel an LKW-Fahrern stellt viele Transportunter-nehmen vor große Herausforderungen. Sicherlich spielt das vielfach schlechte Image des Berufsbildes Trucker eine Rolle. Oft ist von schlecht bezahlten Jobs oder zu langen Fahrzeiten die Rede. Das kann aber doch nicht Usus sein. Gabi Frentzen hat Berufskraftfahrer Winni Biermann auf seinem „Thron“ besucht.

Brummi fahren ist für ihn, wie er sagt, der „geilste Job der Welt“.

„Ich habe es immer gut getroffen“

Täglich mit dem LKW über den Asphalt rollen, lange Arbeitszeiten, wenig Geld, Stress statt Einhalten vorgeschriebener Ruhezeiten und dann noch schwere körperliche Arbeit beim Auf- und Abladen, so haben viele junge Menschen das Berufsbild im Kopf. Kein Wunder also, dass unter diesen Bedingungen kaum ein junger Mensch davon träumt, Lkw-Fahrer zu werden.

„Arbeiten muss man überall“

„Es wird Zeit, dass mit diesem Image mal aufgeräumt wird“, sagt Winni Biermann. „Ich fahre schon so viele Jahre. Und ich habe es mit meinen Arbeitgebern immer gut getroffen. Mir macht mein Beruf wahnsinnig viel Spaß. Und eines muss auch mal gesagt werden, arbeiten muss man überall.“

Ein Trucker mit Ansprüchen

Der Bocholter hat aber auch Ansprüche. „Wenn man viele Stunden unterwegs ist, dann muss der LKW einfach zu einem passen“, so Biermann. „Ich habe mich zuvor mit meinem Arbeitgeber unterhalten, welche Ausstattung ich gerne hätte. Das ist eine finanzielle Frage. Und da muss man auch Kompromisse eingehen. Aber wir waren uns da schnell einig, vor allem, was die Sicherheitssysteme anbelangt. Ich habe hier alles an Bord – von Abbiegeassistent über Mirrorcams und innenliegenden Bildschirmen. Die Technik heute hat viel zu bieten. Komfort und Sicherheit machen den Arbeitsalltag für uns Trucker sehr, sehr angenehm.“

Kann „Tussi“ Fliesen schubsen?

Winni Biermann ist im Nahverkehr unterwegs. Abends ist er zuhause. „Ich kenne aber viele Kollegen, denen macht Fernverkehr gar nichts aus, die lieben ihren Job. Es ist egal, was man in seinem Leben macht, der Beruf muss immer Spaß machen. Ich gebe zu, dass für mich Fernverkehr heute auch kein Thema mehr wäre.“

Auf dem „Thron“ sein eigener Herr

Oben auf seinem „Thron“ ist er sein eigener Herr. Wenn er sich streiten will, dann muss er das schon mit sich selbst ausmachen. Sonst ist ja keiner da. „Das stimmt“, lacht Winnie Biermann. „Aber da ich ja leidenschaftlich gerne singe, kann ich mich auf meiner Lisbeth herrlich austoben.“

Die etwas andere Liebesbeziehung

Lisbeth? „Wenn man jeden Tag mit seinem LKW unterwegs ist, dann ist man in einer Beziehung“, grinst der Bocholter. „Man liebt sein Auto. Und was man liebt, das muss auch einen Namen haben.“

Könnte auch „Tussi“ Fliesen schubsen?

Spätestens mit Aufkommen der Serie Truckerbabes ist klar, dass auch Frau in diesem Berufsbild ihren Mann stehen kann. Dass das weibliche Geschlecht den Brummifahrern in nichts nachsteht, darüber müssen wir nicht diskutieren. Ganz provokant aber will Bocholt-Online-Autorin Gabi Frentzen im Gespräch mit Winni Biermann wissen, ob „Tussi“ auch Fliesen „durch die Gegend schubsen“ könnte. Winni Biermann macht es sich bequem in seinem Fahrersitz, schmunzelt und antwortet: „Naja, mit hohen Absätzen auf den Bock steigen, kann ich mir vorstellen, ist etwas schwierig.“ Und der Bocholter lacht: „Ich kann das aber auch nicht beurteilen, ich trage keine!“

„Tussi Frentzen“ hat verstanden

Gut, den Hinweis haben wir verstanden. Wobei „Tussi Frentzen“ beim Auf- und Absteigen weniger die gewählten Absätze zu schaffen machen als die Höhenangst.

Mit dem Po nach hinten wieder runter

Wie gut, dass Biermann nach dem Probesitzen auf seinem „Thron“ für uns noch einen guten Tipp parat hat: „Mit dem Po nach hinten wieder runter.“ Doch noch einmal zurück zum Thema „Frau auf dem Bock“. Biermann: „Es gibt etliche Frauen, die als Berufskraftfahrerinnen unterwegs sind, die auch große Trucks fahren. Der Anteil weiblicher Auszubildender nimmt zu. Auch Quereinsteigerinnen entdecken Brummi fahren für sich. Immer mehr Unternehmen der Transport- und Logistikbranche haben die Entwicklung „auf dem Schirm“ und überdenken auch die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Vielleicht kommt es hier noch zu Anpassungen, denn eines ist klar: Die Branche braucht Fahrer.

Nicht zart besaitet sein

Ja, vielleicht muss man als Frau auch ein bisschen abgeklärt sein, um in der von Männern dominierten Arbeitswelt Truckfahren gut durchzukommen. Denn Sprüche wie „Wenn eine Frau schlecht an die Rampe fährt, liegt es an der Frau – beim Mann an der schweren Anfahrt zur Rampe“ soll es zuhauf geben. Aber, mal ehrlich, wo muss man sich schließlich nicht durchboxen? In einem Büro nur unter Frauen soll es auch nicht immer einfach sein.

Mehr Sicherheit. Mehr Geld.

Erhöhte Sicherheit und ansprechende Vergütungen sind in der Branche immer mehr vorhanden. Wer Spaß dran hat, egal ob Männlein oder Weiblein, für den lohnt sich eine Ausbildung allemal. Eines ist klar: Mehr als ein Drittel aller Brummi-Fahrer ist laut Statistischem Bundesamt 55 Jahre alt oder älter. Und die gehen in den nächsten Jahren in Rente. Truckfahren aber hat Zukunft.

Und was ist unser Fazit?

Was aber nimmt Bocholt-Online-Autorin Gabi Frentzen aus ihrem Gespräch mit Trucker Winni Biermann mit? Wenn man gut ist in seinem Job und Lust darauf hat, dann bieten sich hervorragende Möglichkeiten. Jedenfalls ist die Chance groß, dass man auch eine „Lisbeth“ bekommt. Eine mit einer verdammt großen Hupe.

Gabi Frentzen
Gabi Frentzen
Gabi Frentzen alias Bocholter Reporterin